Warum Magnesium bei Migräne helfen kann – Das sagt die aktuelle Wissenschaft
- 25. Feb.
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Aktualisiert: vor 1 Tag
Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerzen. Sie gehört weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und zählt zu den zehn häufigsten Ursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 19 Jahren ist sie sogar die häufigste krankheitsbedingte Einschränkung – und bei Erwachsenen zwischen 20 und 59 Jahren belegt sie Rang zwei. Umso wichtiger ist die Suche nach wirksamen Ansätzen zur Vorbeugung und Behandlung. Ein vergleichsweise schlichter Mineralstoff rückt dabei immer mehr in den Fokus der Wissenschaft: Magnesium.
Magnesium – ein lebenswichtiger Mineralstoff
Magnesium ist an über 300 biochemischen Prozessen im Körper beteiligt. Es reguliert unter anderem die Weiterleitung von Nervenimpulsen, die Funktion von Blutgefäßen, den zellulären Energiestoffwechsel sowie Entzündungs- und Abwehrreaktionen. Ein Mangel an Magnesium – der häufiger vorkommt als weithin bekannt – kann daher weitreichende Folgen für das Nervensystem haben.
Warum Menschen mit Migräne oft zu wenig Magnesium haben
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit Jahrzehnten: Menschen mit Migräne weisen häufig niedrigere Magnesiumspiegel im Blut und im Hirngewebe auf als beschwerdefreie Personen. Dieser Befund wurde in Fallberichten, Beobachtungsstudien und kontrollierten klinischen Studien immer wieder bestätigt. Während eines akuten Migräneanfalls sinkt der Magnesiumspiegel im Blut messbar ab – ein deutlicher Hinweis auf die enge Verbindung zwischen diesem Mineralstoff und der Erkrankung.
Wie beeinflusst Magnesium das Gehirn bei Migräne?
Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, beschreibt mehrere Mechanismen, über die ein Magnesiummangel Migräneanfälle begünstigt:
Kortikale Ausbreitungsdepression: Migräneattacken gehen häufig mit einer langsam wandernden Welle elektrischer Stille im Gehirn einher. Ein Magnesiummangel begünstigt das Entstehen dieser "spreading cortical depression" – einem wichtigen Auslöser von Migräne.
Gefäßveränderungen: Magnesium beeinflusst die Spannung der Blutgefäße. Ein Mangel kann Gefäßkrämpfe und Durchblutungsstörungen fördern, die bei Migräne eine zentrale Rolle spielen.
Entzündung und oxidativer Stress: Magnesium wirkt entzündungshemmend und schützt Zellen vor schädlichen Oxidationsprozessen – beide Prozesse sind bei der Entstehung von Migräne nachweislich beteiligt.
Neurotransmitter-Kontrolle: Magnesium reguliert die Ausschüttung von Botenstoffen wie Glutamat. Steigt die Glutamatkonzentration durch Magnesiummangel zu stark an, werden Nervenzellen überreizt – eine mögliche Ursache für Migränekopfschmerzen.
Elektrolytungleichgewicht: Magnesium spielt eine wichtige Rolle beim Ausgleich anderer Elektrolyte wie Kalzium und Kalium. Ein Ungleichgewicht kann die Erregbarkeit von Nervenzellen erhöhen und Anfälle begünstigen.
Was klinische Studien belegen
Die Datenlage aus randomisierten, placebokontrollierten Studien – dem Goldstandard der klinischen Forschung – ist ermutigend. Magnesium zeigt sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der akuten Behandlung von Migräne messbare Wirkung:
Vorbeugung: Regelmäßige orale Einnahme von Magnesium (in Studien meist 400–600 mg täglich) kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen signifikant reduzieren. Der Effekt ist besonders ausgeprägt bei Personen mit messbarem Magnesiummangel.
Akutbehandlung: Intravenös verabreichtes Magnesiumsulfat zeigte in mehreren Studien eine rasche Linderung akuter Migräneanfälle – besonders wirksam bei Patientinnen und Patienten mit nachgewiesenem Magnesiumdefizit. Wirksamkeit wurde sowohl kurz nach der Infusion als auch noch nach 24 Stunden nachgewiesen.
Gut verträglich und kostengünstig
Ein wichtiger praktischer Vorteil von Magnesium: Es ist in der Regel gut verträglich. Als Nebenwirkungen wurden in Studien vor allem leichte Magen-Darm-Beschwerden bei oraler Einnahme berichtet. Im Vergleich zu verschreibungspflichtigen Migränemedikamenten ist Magnesium kostengünstig und ohne Rezept zugänglich.
Fazit: Ein unterschätzter Mineralstoff mit starker wissenschaftlicher Basis
Die aktuelle Forschung liefert überzeugende Belege: Magnesium spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Migräne. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind vielfältig und gut dokumentiert. Wer regelmäßig unter Migräne leidet, sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt klären, ob ein Magnesiummangel vorliegt und eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein könnte.
Quelle
Dominguez LJ, Veronese N, Sabico S, Al-Daghri NM, Barbagallo M. Magnesium and Migraine. Nutrients, 2025, Vol. 17(4), 725. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40005053/