Hormonelle Schwankungen und Migräne: Was die Forschung wirklich zeigt
Aktualisiert: 5. Sept.
Migräne im Rhythmus der Hormone
Viele Frauen berichten, dass ihre Migräneattacken auffällig oft in einer bestimmten Phase ihres Zyklus auftreten. Die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Zusammenhang – mit einem Ergebnis, das differenzierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.
Der Zusammenhang zwischen Östrogen und Migräne
Menstruelle Migräne betrifft schätzungsweise rund 6 % der Frauen im gebärfähigen Alter. Attacken treten dabei gehäuft in einem engen Zeitfenster rund um die Menstruation auf. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Systematic Reviews (Reddy et al., 2021) wertete 19 Studien aus und untersuchte, welche hormonellen Mechanismen dabei diskutiert werden.
Die Hypothese des Östrogenentzugs
Die am häufigsten diskutierte Erklärung ist die sogenannte Östrogenentzugs-Hypothese: Migräneattacken sollen durch den natürlichen Abfall des Östrogenspiegels am Ende des Zyklus begünstigt werden, insbesondere wenn der Spiegel zuvor über längere Zeit erhöht war. Eine Neubewertung der Evidenz im Journal of Headache and Pain (Raffaelli et al., 2023) zeigt jedoch: Der genaue Mechanismus ist noch nicht abschließend geklärt, die Studienlage dazu bleibt uneinheitlich.
Migräne im Lebensverlauf: Perimenopause und Wechseljahre
Spannend wird es beim Blick auf den gesamten hormonellen Lebensbogen einer Frau. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Journal Healthcare (Barbanti & Nappi, 2025) fasst zusammen, was großangelegte Kohortenstudien dazu zeigen: In der Perimenopause – der Übergangsphase vor den Wechseljahren, in der der Hormonspiegel stärker schwankt – berichten viele Frauen von häufigeren und intensiveren Migräneattacken. Bei 8–13 % der Frauen tritt in dieser Phase sogar erstmals eine Migräne auf. Nach den Wechseljahren, wenn sich der Hormonspiegel auf einem stabil niedrigeren Niveau einpendelt, verbessert sich das Bild bei vielen Betroffenen wieder – insbesondere bei Migräne ohne Aura nimmt die Häufigkeit mit zunehmendem Abstand zur letzten Periode ab.
Das Muster stützt eine zentrale Beobachtung: Nicht die absolute Höhe des Östrogenspiegels scheint entscheidend zu sein, sondern wie stark und wie schnell er sich verändert. Ein Spiegel, der zuvor hoch war und dann schnell abfällt – wie am Ende des Zyklus oder in der instabilen Perimenopause – geht bei vielen Frauen mit mehr Attacken einher. Ein Spiegel, der dauerhaft niedrig, aber stabil bleibt – wie nach den Wechseljahren – dagegen eher mit weniger Attacken.
Ansatzpunkte für den Alltag
Ein Zyklus- oder Kopfschmerztagebuch kann helfen, das eigene Muster über mehrere Monate zu erkennen – ob im normalen Zyklus oder in der Perimenopause. Auch allgemeine Faktoren wie Schlaf, Stress und Flüssigkeitshaushalt spielen bei Migräne eine Rolle. Magnesium trägt beispielsweise zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei – ein Aspekt der allgemeinen Nervenfunktion, keine Aussage über die Behandlung von Migräne selbst.
Fazit
Hormonelle Schwankungen und Migräne hängen über den gesamten weiblichen Lebensverlauf eng zusammen – vom Zyklus über die Perimenopause bis in die Wechseljahre. Die genauen Mechanismen werden weiter erforscht, das Muster von mehr Schwankung gleich mehr Attacken zeigt sich aber in mehreren unabhängigen Studien konsistent.
Häufig gestellte Fragen
Erhöht eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Migränerisiko?
Es gibt Hinweise darauf. In einer Beobachtungsstudie mit über 17.000 Frauen berichteten Frauen, die eine Hormonersatztherapie erhielten, häufiger von Migräneattacken als Frauen ohne diese Behandlung – 13 von 100 gegenüber 9 von 100 (Reddy et al., 2021). Wer eine Hormonersatztherapie erwägt und zu Migräne neigt, sollte das mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Wie viele Frauen mit Migräne bemerken überhaupt einen Zusammenhang mit ihrem Zyklus?
Deutlich mehr, als die Diagnose vermuten lässt: Bis zu 70 von 100 Frauen mit Migräne berichten, dass ihre Attacken auffällig oft mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen (Reddy et al., 2021). Die ärztlich diagnostizierte „menstruelle Migräne“ im engeren Sinn betrifft dagegen nur etwa 6 von 100 Frauen – die beiden Zahlen beschreiben also unterschiedliche Dinge.
Ist die Höhe des Östrogenspiegels oder seine Veränderung entscheidend für Migräneattacken?
Die Veränderung ist entscheidend, nicht der Wert selbst. Sinkt ein zuvor erhöhter Östrogenspiegel innerhalb kurzer Zeit deutlich ab, kann das eine Migräneattacke begünstigen (Reddy et al., 2021). Ob dieser Abfall im normalen Zyklus oder in der unruhigen Phase vor den Wechseljahren stattfindet, spielt dabei keine große Rolle.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Redaktionell vorbereitet mit KI-Unterstützung. Menschlich geprüft.
Quellen: Raffaelli B. et al. (2023), J Headache Pain 24:131, DOI 10.1186/s10194-023-01664-4 (CC BY 4.0) · Reddy N. et al. (2021), Systematic Reviews 10:72, DOI 10.1186/s13643-021-01618-4 (CC BY 4.0) · Barbanti P., Nappi R.E. (2025), Healthcare 13(2):164, DOI 10.3390/healthcare13020164 (CC BY 4.0)


