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Migräne und Kopfschmerzen – wo liegt der Unterschied?

  • 10. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Kopfschmerzen kennt fast jeder. Doch nicht jeder Kopfschmerz ist gleich – und der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Spannungskopfschmerz und einer Migräne ist medizinisch bedeutsam. Wer den Unterschied kennt, kann besser verstehen, was im Körper vorgeht, und gezieltere Unterstützung suchen.

Kopfschmerzen: Ein breites Spektrum

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet in ihrer offiziellen Klassifikation (ICHD-3, 2018) über 200 verschiedene Kopfschmerzformen – und teilt diese in zwei große Gruppen ein: primäre und sekundäre Kopfschmerzen.

Sekundäre Kopfschmerzen sind Begleitsymptome einer anderen Ursache, etwa einer Erkältung, Schlafmangel oder Dehydration. Sie verschwinden meist, sobald die Grundursache behoben ist.

Primäre Kopfschmerzen hingegen sind eigenständige Erkrankungen – sie entstehen nicht als Folge einer anderen Erkrankung. Zu dieser Gruppe gehören der Spannungskopfschmerz, der Clusterkopfschmerz und die Migräne.

Spannungskopfschmerz – der häufigste Typ

Der Spannungskopfschmerz ist weltweit die am häufigsten vorkommende Kopfschmerzform. Typische Merkmale:

  • Beidseitiger Schmerz, oft wie ein Druckgefühl oder ein zu enger Reifen um den Kopf

  • Schmerzintensität meist leicht bis mittel

  • Körperliche Bewegung verstärkt den Schmerz nicht

  • Keine Übelkeit, in der Regel keine ausgeprägte Licht- oder Lärmempfindlichkeit

Auslöser sind häufig Stress, Schlafmangel, schlechte Körperhaltung oder Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Die Dauer liegt typischerweise zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden.

Migräne – mehr als Kopfschmerz

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich grundlegend vom Spannungskopfschmerz unterscheidet – sowohl in ihren Symptomen als auch in ihrer Entstehung.

Charakteristische Merkmale der Migräne:

  • Einseitiger Schmerz, oft halbseitig

  • Pulsierender oder pochender Schmerzcharakter

  • Mittlere bis starke Intensität

  • Zunahme des Schmerzes bei körperlicher Aktivität (z. B. Treppensteigen)

  • Begleitung durch Übelkeit oder Erbrechen

  • Ausgeprägte Licht- und Lärmempfindlichkeit (Photophobie, Phonophobie)

  • Dauer: 4 bis 72 Stunden pro Attacke

Bei etwa einem Viertel der Betroffenen tritt eine sogenannte Aura auf – neurologische Symptome, die dem Kopfschmerz vorausgehen. Dazu gehören Sehstörungen (Flimmern, Zickzacklinien), Kribbeln in Armen oder Gesicht, oder vorübergehende Sprachstörungen. Diese Aura-Phase dauert typischerweise 20 bis 60 Minuten.

Was im Gehirn passiert – die Wissenschaft dahinter

Aktuelle Forschung zeigt, dass Migräne und Spannungskopfschmerz unterschiedliche neurobiologische Grundlagen haben. Bei der Migräne ist das trigeminovaskuläre System zentral betroffen: Nervenfasern rund um die Hirnblutgefäße werden aktiviert und setzen Botenstoffe frei, die eine Entzündungskaskade auslösen. Zusätzlich spielen kortikale Erregbarkeit und eine veränderte Schmerzverarbeitung im Gehirn eine wichtige Rolle.

Beim Spannungskopfschmerz geht die Forschung eher von einer peripheren Sensibilisierung der Muskeln und Faszien im Kopf- und Nackenbereich aus, die im chronischen Verlauf auch zentrale Schmerzmechanismen einbeziehen kann.

Wann zum Arzt?

Wer regelmäßig unter starken Kopfschmerzen leidet, sollte ärztlichen Rat einholen – insbesondere wenn:

  • Kopfschmerzen plötzlich und sehr stark auftreten (Donnerschlag-Kopfschmerz)

  • Neurologische Begleitsymptome wie Sehverlust, Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen auftreten

  • Kopfschmerzen nach einem Unfall oder Sturz entstehen

  • Mehr als 15 Tage pro Monat Kopfschmerzen auftreten

Eine genaue Diagnose ist wichtig – denn je nach Kopfschmerztyp gibt es unterschiedliche Unterstützungsansätze.

Fazit

Migräne ist keine starke Kopfschmerz-Variante – sie ist eine eigenständige neurologische Erkrankung mit spezifischen Symptomen und einem anderen Entstehungsmechanismus als der Spannungskopfschmerz. Das Verständnis dieses Unterschieds ist ein erster Schritt, um Betroffenen besser helfen zu können.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen: Headache Classification Committee of the IHS: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). Cephalalgia, 38(1):1–211, 2018. DOI: 10.1177/0333102417738202 | Onan D. et al. (2023): Debate: differences and similarities between tension-type headache and migraine. PMID: 37474899 | Goadsby PJ et al. (2017): Pathophysiology of Migraine. DOI: 10.1152/physrev.00034.2015 | Autor: NBS-Redaktion

 
 
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